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Geistlicher Impuls 20.03.2020

21. März 2020

Liebe Gemeinde!

Nichts läuft mehr wie sonst. Alles abgesagt:
Veranstaltungen, Gottesdienste. Schulen, Unis, Ämter, Geschäfte machen dicht. Wie lange? Keiner kann es gegenwärtig sagen. Selbst längerfristige Planungen sind unsicher.
Manche finden all das übertrieben. Doch das Corona-Virus ist hoch ansteckend. Selbst wenn nur fünf Prozent der Infektionen schwer
verlaufen, können schnell medizinische Engpässe entstehen. Soll jemand nach einem schweren Autounfall oder bei einem Herzinfarkt sterben, nur weil kein Bett mehr auf der Intensivstation frei ist? Es könnte dein Opa, mein Vater, unser Nachbar sein.
Corona ist eine Zumutung für uns. Wir werden darauf gestoßen, dass wir doch nicht alles so unter Kontrolle haben, wie wir immer meinen, und dass doch nicht alles machbar ist. Es könnte heilsam sein. Plötzlich merken wir, dass Leben nur funktioniert, wenn wir uns alle im Blick haben. Was wären wir ohne die Fachkräfte in den Krankenhäusern, ohne die Mitarbeitenden in den Supermärkten, die derzeit auf Hochtouren arbeiten?!
Corona zeigt uns sehr genau, was wir eigentlich wissen und brauchen. Was uns fehlt: Eine Hand, die eine andere hält; Nähe, Besuche und Gespräche; Kino und Theater; Gottesdienstgemeinschaft und Zusammenhalt, Kaffee im LUCA oder auf dem Spielplatz… und …
Und nach dem ersten Schock stelle ich verwundert fest: Die Welt geht nicht unter, auch wenn nicht alles nach Plan läuft. Sonne, Frühling, Liebe, Zuwendung, all das ist nicht abgesagt.

Ich habe Grund dankbar zu sein - für jeden Augenblick, jeden Atemzug, für mein Leben, für Freunde.
Und: Gott bleibt. Er bleibt für uns da – gerade in Zeiten der Not und Unsicherheit. Wo können wir Gott finden in dieser Zeit?
Gott ist für mich da, wo Nachbarn einander helfen;
Gott ist da, wo Menschen sich anrufen und gute Gespräche führen;
Gott ist da, wo Menschen füreinander beten.
Ich finde Gott im Engagement der Einkaufshilfe Ochtersum und der Fridays-for-future-Bewegung.
Ich finde Gott im Einsatz der Ärzte und Pflegekräfte, die unermüdlich für ihre Patienten da sind.
Ich finde Gott im Lächeln der Kinder, die sich freuen, dass wir gerade viel
Zeit für sie haben.
Wo können wir Gott finden in dieser Zeit? Was stärkt unseren Glauben?Unsere Jahreslosung spricht von Glauben und Unglauben, und dass beide eng zusammengehören.

Für manche von uns stellt die Corona-Krise ihren Glauben in Frage. Bei der Frage von Glauben und Unglauben geht es nicht um eine interessante Diskussion, um den intellektuellen Austausch von Argumenten.
Es geht um die Frage, worauf ich mich verlassen kann im Leben, wenn es ernst wird, wo es Hilfe und Halt gibt in höchster Not. Dieser Glaube muss immer wieder errungen werden. Oder besser: Er muss auch immer wieder geschenkt werden.

Unser Losungswort ist ja auch ein Gebet: „Hilf mir; hilf meinem Unglauben.“ Darauf dürfen wir vertrauen: Wir stehen mit unserem Glauben und mit unserem Unglauben in Gottes Hand. Glaube ist nicht abgesagt. Beten ist nicht abgesagt – also lasst es uns tun und auf diese Weise füreinander da sein, auch wenn wir uns nicht besuchen und begegnen können.
Mailt mir Eure Gebetsanliegen – ich nehme Sie sonntags mit in mein Gebet in der Lukaskirche.


Bleibt gesund und behütet,
Ihre und Eure Pastorin Meike Riedel